Zum Lebenspartnergesetz

Offener Brief an Heinz-Josef

Harvey Milk sagt:
''If you are not personally free to be yourself in that most important of all human activities -- the expression of love -- then life itself loses its meaning''

Mit ''Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema - wie soll sich Kirche, Gesellschaft und Politik hier verhalten?'' forderst Du uns in den Pfarrkontakten 1/2001 auf, zum Lebenspartnergesetz Stellung zu nehmen. Da will ich hier tun.

Du schreibst unter anderem: ''Dennoch gibt es keinen Grund, den besonderen Schutz und Stellenwert, den Ehe und Familie durch Artikel 6 des GG genießen, dadurch auszuhöhlen, dass andere Partnerschaften -- seien es heterosexulle oder gleichgeschlechtliche -- der Ehe gleichgestellt werden.'' Und Du schreibst auch ''sämtliche Diskriminierungen gegen Minderheiten, wie dies Homosexuelle in der Vergangenheit erleben mussten, dürfen heute keinen Bestand mehr haben.'' Ich glaube, beide Zitate widersprechen sich im Sinn. Ich möchte das kurz begründen.

Wenn ich im Auto fahre, ''unterhöhlt'' sich dann meine Sicherheit, wenn sich die Beifahrerin auch anschnallt? Wenn ich Schutz unter einem (staatlichen) Unterstand suche und finde, verringert sich dann mein Schutz, wenn sich noch jemand dazustellt?
In beiden Fällen sage ich ''Nein''. Warum unterhöhlt sich dann der besondere Schutz, den der Staat (völlig zurecht) der Ehe zukommen läßt, wenn nun noch mehr Paare geschützt werden?

Wenn sich homosexuelle Paare nicht unter unseren Unterstand stellen sollen, wenn sie nicht so geschützt werden sollen, wie die anderen Paare, die in der Mehrheit sind, dann heißt das doch schlicht: Sie sollen fern bleiben. Es wird gewünscht, dass sich ihr Minderheits-Paarsein weiterhin von dem Mehrheits-Paarsein unterscheidet. Denn wenn beide der gleiche Schutz schützt, verschwimmt auch der Unterschied im Paarsein. Der Wunsch nach Ferne ist gleich dem Wunsch nach sozialer Distanz. Das Herstellen sozialer Distanz ist aber die Definition von Diskriminierung! Wer den Schutz gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften als Aushöhlung empfindet, diskriminiert, vielleicht unbewußt, aber sie oder er diskriminiert.

Die Liebe hat die zentrale Rolle in meinem Glauben. Gott liebt mich und läßt mich lieben. Er hat mich mit der großartigen Fähigkeit, dem Talent ausgestattet, Lieben zu dürfen. Wenn ich mit diesem Talent nicht wuchern darf, wenn ich mit dieser Fähigkeit nicht frei sein darf, ich selbst zu sein in der allerwichtigsten der menschlichen Aktivitäten - dem Ausdruck der Liebe zu einem Menschen - dann verliert Liebe selbst ihren Sinn!

Wenn Du also fragst, was meine Meinung ist, wie sich Kirche, Gesellschaft und Politik hier verhalten sollen, dann sage ich: Keine Minderheit soll draußen bleiben, unterstütze das Lebenspartnergesetz nach Kräften!

     Florian Seiffert, 15.02.2002